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Geschichte des Drucks
Die Zeit Johannes Gutenbergs Quelle: www.gutenberg.de
Um 1400 Johannes Gensfleisch wird in Mainz im Hof zum Gutenberg geboren und wohl am
24. Juni (Johannistag) in der Pfarrkirche St. Christoph getauft.
Um 1419 Gutenbergs Vater, Friele Gensfleisch, stirbt in Mainz. Im folgenden Jahr müssen sich
Gutenberg und seine Geschwister mit ihrer Stiefschwester Patze wegen des Erbteils des
gemeinsamen Vaters vor Gericht auseinandersetzen.
1419/20 Die Erfurter Universitätsmatrikel verzeichnet für das Wintersemester 1419/20 einen
Johannes de Altavilla, bei dem es sich um Johannes Gutenberg handeln könnte, ohne daß dies
mit letzter Sicherheit zu klären ist.
Um 1428 In Mainz kommt es u.a. wegen der desolaten finanziellen Lage der Stadt wiederholt zu
Auseinandersetzungen zwischen den politisch regierenden Familien, die jeweils von den Patriziern
der Stadt oder aber den Handwerkerzünften unterstützt werden. Aus Protest gegen die
Steuerforderungen des überwiegend aus Vertretern der Zünfte bestehenden Rates verlassen
zahlreiche Mitglieder der traditionellen Führungsschicht, d.h. der patrizischen Familien, die Stadt,
darunter auch Gutenberg und die Familie Gensfleisch.
1429-1434 Der genaue Aufenthalt Gutenbergs für diese Jahre ist ungewiß.
1433 Gutenbergs Mutter, Else Wirich, stirbt in Mainz; ihr Nachlaß wird unter die drei Kinder Friele,
Else und Henne (Johannes) Gensfleisch aufgeteilt.
1434 Erste urkundliche Erwähnung für Gutenbergs langjährigen Aufenthalt in Straßburg (1434-1444).
In dem Dokument erfahren wir, daß Gutenberg den Mainzer Stadtschreiber Nikolaus von Wörrstadt
zu Straßburg in Schuldhaft setzen ließ, um 310 Gulden rückständiger Rentenzahlungen von dem
Rat der Stadt Mainz zu erzwingen.
1436/37 Gutenberg wird von der Straßburger Bürgerstochter Ennelin von der Isern Türe wegen eines
nichteingehaltenen Eheversprechens vor dem geistlichen Gericht in Straßburg angeklagt. Ob Gutenberg
Ennelin daraufhin geheiratet hat, ist ebenso wie der Ausgang des Gerichtsverfahrens nicht überliefert.
Im Verlauf des Prozesses bezeichnet Gutenberg Niklaus Schott, einen Zeugen der Ennelin, als armen,
notdürftigen Menschen, der ein armes notdürftiges Leben mit Lügen und Trügen führt. Gutenberg wird
darauf von Niklaus Schott wegen Beleidigung verklagt und zu einer Zahlung von 15 Gulden verurteilt.
1436-1444 In den Einträgen des Straßburger Helbeling-Zollbuches, eines Weinungeld- bzw.
-steuerregisters, erscheint Gutenberg zunächst unter den Halbkonstofelern, d.h.den nicht ganz
vollwertigen Mitgliedern der patrizischen Vereinigung der Konstofeler, daneben aber auch als Halbmitglied der Goldschmiedezunft sowie in der Liste derjenigen, die gar keiner Zunft angehören.
In einer Aufgebotsliste der Stadt für den Kriegsfall ist Gutenberg dagegen für das Jahr 1443/44 in
der Gruppe der Patrizier bzw. der Konstofeler mit einem halben Pferd als zu leistendem Verteidigungsbeitrag
verzeichnet. Sein sozialer Status während der Straßburger Zeit bleibt somit unklar, entsprach aber wohl
dem eines sog. Freimeisters.
1439 Gutenberg muß sich 1439 in einem Prozeß vor dem Straßburger Rat verantworten. Die Protokolle des
Verfahrens, darunter umfangreiche Zeugenaussagen, sind die maßgeblichen Quellen zu Gutenbergs geschäftlichen, künstlerischen und handwerklichen Aktivitäten in Straßburg. Sie berichten über eine
Lehr- und Werkgemeinschaft Gutenbergs mit verschiedenen Straßburger Bürgern, u.a. Andreas Dritzehn,
zur Herstellung von sog. Wallfahrtsspiegeln für die große Aachener Wallfahrt, erwähnen aber auch eine
zweite Geschäftsgesellschaft sowie eine geheime Kunst Gutenbergs, welche die Teilhaber streng zu
wahren hatten. Da im Zusammenhang mit diesem Geschäftsgeheimnis auch von einer Presse sowie
von Material, das zu dem trucken gehöret, gesprochen wird, darf man aller Wahrscheinlichkeit nach
annehmen, daß Gutenberg schon in Straßburg verschiedene Elemente seiner Erfindung in die Praxis
umgesetzt und bereits erste Druckversuche durchgeführt hat.
1441/1442 Im Zusammenhang mit einem Darlehen über 100 Pfund Straßburger Denare, welche der
Edelknecht Johann Karle von dem Straßburger St. Thomas-Stift geliehen hat, tritt Gutenberg als wohlhabender Bürge auf. Nur ein Jahr später nimmt Gutenberg selbst ein Darlehen über 80 Pfund
derselben Währung von dem St. Thomas-Stift auf, das er aber bis zu seinem Lebensende nicht
zurückzahlen kann und aus diesem Grunde mehrfach gerichtlich belangt wird, u.a. auch von dem
kaiserlichen Hofgericht in Rottweil.
1444 - 1448 Für diesen Zeitraum sind über Gutenbergs Aufenthalt und seine Aktivitäten keine
Nachrichten erhalten.
1448 Gutenberg ist wieder nach Mainz zurückgekehrt und nimmt auf Vermittlung seines Verwandten
Arnold Gelthuß 150 Gulden Darlehen zu 5% Zinsen auf, die er wahrscheinlich zur weiteren
Vervollkommnung seiner Erfindung einsetzt.
Vor 1450 Gutenberg druckt ein Gedicht vom Weltgericht in deutscher Sprache nach einem um 1360
in Thüringen verfaßten Sibyllenbuch. Der wohl früheste Gutenberg zugeschriebene Druck ist nur in
einem kleinen Fragment erhalten, dessen Druckort und Erscheinungsjahr bislang nicht eindeutig geklärt
werden konnten.
1450-1452 Der Mainzer Advokat Johannes Fust leiht Gutenberg zunächst eine Summe von 800 Gulden
für Gutenbergs kostspieliges Projekt, das neben dem Aufbau einer Druckerwerkstatt auch für die
Einstellung lohnabhängiger Gehilfen beträchtliche Geldsummen erfordert. Wohl bereits im Jahre
1452 beteiligt sich Fust mit einer weiteren Zahlung von 800 Gulden als Teilhaber an dem gemeinschaftlichen
Unternehmen, oder, wie es in den Quellen heißt, dem Werk der Bücher.
zw. 1452-1454 Druck der 42-zeiligen Bibel in lateinischer Sprache in einer geschätzten Auflage von
ca. 180 Stück, davon ca. 30 auf Pergament. Erste Exemplare werden in Form von ungebunden
gedruckten Faszikeln bereits im Herbst 1454 während des Frankfurter Reichsstages von einem
"wundersamen Mann" (vir mirabilis) zum Verkauf angeboten, bei dem es sich womöglich um
Gutenberg selbst gehandelt hat.
1454/55 In der Werkstatt Gutenbergs werden die 30- bzw. 31-zeiligen sog. "zyprischen Ablaßbriefe"
gedruckt, deren Erlöß Papst Calixt III. zur Finanzierung eines Kreuzzuges gegen die Türken auf
Zypern verwenden möchte.
1455 Über den von Fust gegen Gutenberg wegen der ausbleibenden Zins- und Geldrückzahlungen
angestrengten Prozeß informiert uns ein nach dem Notar Ulrich Helmasperger benanntes Dokument,
das sog. Helmaspergersche Notariatsinstrument vom 6.11.1455. Wenngleich nur ein vereinzeltes
Aktenstück aus dem gesamten Prozeß, stellt es unsere wichtigste Quelle über Gutenbergs geschäftlichen
Verbindungen zu Fust und den Druck der 42-zeiligen Bibel dar.
In dem Prozeß, dessen Ausgang nicht eindeutig überliefert ist, verliert Gutenberg wahrscheinlich den
gesamten Bibeldruck sowie große Teile seiner Druckerwerkstatt.
1457 In der Druckerwerkstatt Fust-Schöffer wird der Mainzer Psalter als erstes Beispiel eines Dreifarbendrucks
vollendet. Eine zweite, textlich allerdings stark veränderte Ausgabe erscheint im Jahre 1459.
1462 Im Zuge des Streits zwischen den beiden konkurrierenden Mainzer Erzbischöfen erobert der vom Papst
favorisierte Kandidat Adolf von Nassau in der Nacht zum 29. Oktober im Straßenkampf die Stadt, die
darauf geplündert und zum Teil zerstört wird. Zahlreiche Familien werden für längere Zeit aus Mainz
verbannt, ihre Höfe an die Parteigänger Adolfs von Nassau vergeben. Auch der Hof zum Gutenberg
wechselte in diesen Jahren den Besitzer, was vermuten läßt, daß Johannes Gutenberg ebenfalls zu
den Verlierern und Geschädigten der Mainzer Stiftsfehde zählte. So sind auch verschiedene Verwandte
Gutenbergs in diesen Jahren in dem nahegelegen Frankfurt im Exil nachgewiesen.
1465 Der Mainzer Erzbischof Adolf von Nassau nimmt Johannes Gutenberg zu seinem Hofmann an und
gewährt ihm bis an sein Lebensende neben großzügigen Wein- , Getreide-und Kleiderspenden die Freiheit
von den Steuern und Diensten, welche die Bürger der Stadt dem Kurfürsten üblicherweise zu leisten
haben. Die Hintergründe dieser Auszeichnung konnten bislang nicht geklärt werden.
1468 Am 3. Februar 1468 stirbt Johannes Gutenberg im Hof zum Algesheimer und wird in der
Franziskanerkirche zu Mainz (niedergelegt 1742) bestattet. Noch in demselben Monat erhält der frühere Stadtsyndikus Dr. Konrad Humery verschiedene Druckgeräte, welche Gutenberg von Humery zuvor
geliehen hatte, mit der ausdrücklichen Auflage, diese nur innerhalb der Stadt Mainz zu verwenden.
1499 Ein erster Nachruf auf Johannes Gutenberg, verfaßt von Adam Gelthuß mit dem Hinweis, daß
Gutenberg in der Mainzer Franziskaner-Kirche bestattet sei, erscheint in dem bei Peter Friedberg in
Mainz gedruckten Buch Ad illustrissimum Bavariae ducem Philippum.
1504 Der Mainzer Universitätsprofessor Ivo Wittig läßt im Hof zum Gutenberg einen Gedenkstein errichten
mit der lateinischen Inschrift: "Dem Mainzer Johannes Gutenberg, der als erster von allen die Buchdruckerkunst
erfand und sich mit dieser Kunst um die ganze Welt verdient gemacht hat, setzte im Jahre 1504 Ivo Wittig
diesen Stein als Denkmal".
1565/1568 Das erste fiktive Gutenberg-Bildnis erscheint als Holzschnitt in der lateinischen Erstausgabe von
Heinrich Pantaleons Lebensbeschreibung berühmter Deutscher in Basel. In der nur drei Jahre später herausgegebenen Ausgabe in deutscher Sprache findet sich bereits ein zweites Portrait des Erfinders,
das gleichfalls auf keiner authentischen oder zeitgenössichen Vorlage beruht. Über Gutenbergs
tatsächliches Aussehen liegen keine gesicherten Nachrichten vor.
1741 In Leipzig erscheint die programmatische Schrift "Ehrenrettung Gutenbergs" von J. D. Köhler.
1798 Eine Versammlung europäischer Astronome in Gotha beschließt, die zwischen den Sternbildern Schiff,
Einhorn sowie großer Hund gelegene Sternenkonstellation als Sternbild "Gutenberg" der Himmelskarte
einzuverleiben. Dieser Beschluß wurde von J.E.Bode umgesetzt. Es gab mindestens zwei Editionen
seiner weitverbreiteten Himmelskarten. Auf beiden sind die Drucker-Werkstatt bzw. die
Officina Typographica / Atelier Typographique eingezeichnet. Um 1825 dienten diese Karten als
Vorlage für ein interessantes Lehrmittel zum Selbststudium des Sternenhimmels, den "Urania's Mirror".
Diese Kartensammlung wurde 1993 neu aufgelegt in C. Tennants "The box of Stars", inklusive des
Sternbilds "Atelier Typographique.
1835 benannten die Astronomen Beer/ Maedler in ihrer Mappa Selenographica einen
Mondkrater "Guttemberg", den die International Astronomical Union (IAU) 1935 als Gutenberg anerkannte.
1914 entdeckte der Wiesbadener Astronom Dr. Franz Kaiser einen Kleinplaneten, den er (777)
Gutemberga nannte.
Wenn auch die IAU das historische Sternbild nicht übernommen hat, so ist es doch selbst heute nicht
völlig vergessen. Weitere Einzelheiten zum Thema "Gutenberg und Astronomie" finden Sie auf der Seite
der Mainzer Amateurastronomen.
1827 Errichtung des ersten figürlichen, von dem Bildhauer Joseph Scholl geschaffenen
Gutenberg-Denkmals im Hof zum Gutenberg in Mainz (heute im Verwaltungsbau des
Gutenberg-Museums aufgestellt).
1837 Einweihung des Gutenberg-Denkmals von dem klassizistischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen,
das für zahlreiche weitere Gutenberg-Denkmäler zum Vorbild genommen wurde.
1900 Gründung des Gutenberg-Museums anläßlich der Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag
Johannes Gutenbergs.
1962 Das Gutenberg-Museum erhält den Titel: Weltmuseum der Druckkunst.
1968 Des 500. Todestages Johannes Gutenbergs wird in aller Welt feierlich gedacht.
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